Freitag, 22. Mai 2009

Gran Torino (Kino) | 8. April 2009

AUS·USA — 2008 | Regie: Clint Eastwood (...)

Gran Torino Poster (USA)

War es Marketingkalkül? Wäre das überhaupt nötig gewesen? Ob nötig oder nicht ... Gran Torino ist in Sachen Regie Eastwoods sowohl kommerziell als auch "IMDb-wertungstechnisch" mit (aktuell) Rang #77 erfolgreichster Film und trotzdem weiß ich bis dato immer noch nicht, woher das Gerücht stammt, dass dieser Streifen sein letzter Auftritt vor der Kamera gewesen sein soll — im Dezember vergangenen Jahres erklärte er in jedem Fall noch: "I don’t know. I never think of retirement really. The only reason I ever thought about retiring from the front part of the camera as opposed to the back is sometimes you think, “How many roles are there for someone my age?” I enjoy working. I keep working because I learn something new all the time." Den letzten Nebensatz hat er dann wohl auch mit seinem hiesigen Protagonisten gemein ...

Walt Kowalski (Eastwood) erwartet vor allem nach dem Tod seiner Frau endgültig nichts mehr von seinem Leben außer von allem & jedem in Ruhe gelassen zu werden. Der zynisch-reaktionäre und chronisch unzufriedene Koreakriegsveteran verbirgt seine inneren Konflikte tief in sich und stößt sein Umfeld lieber schnell barsch vor den Kopf bevor dies es mit ihm tun kann. Erst durch die Begegnung mit den ostasiatischen Nachbarn seines Viertels gelingt es Kowalski auf seine alten Tage noch mit sich & seiner Umwelt ins Reine zu kommen.

The thing that haunts a guy is the stuff he wasn't ordered to do.

Beeindruckend, wie Eastwood es einmal mehr schafft, seine parabelartige Geschichte gleichzeitig packend und gefühlvoll (und dabei für meine Begriffe frei von Kitsch und selten belehrend wirkend) auf die Leinwand zu bringen. Ein Drehbuch und Charaktere mit einer klaren Sprache, nur allzu menschlichen Ecken & Kanten sowie einem entspannenden Schuss Ironie sind vielleicht ein paar der Punkte, die diese Gratwanderung möglich und zu einem nachhaltigen und unterhaltsamen Erlebnis machen — zumindest bei diesem Film, in dem es (auch) um Vorurteile, Freundschaft, Vertrauen, Mut und Selbstachtung geht. Dass Walt Kowalski wie eine Art Destillat einiger ehemaliger Eastwood-Verkörperungen erscheint und das erlebt, was er erlebt, macht die Sache zusätzlich tragikomisch. Darüber hinaus ist das diesjährige Interview, das die SZ mit dem Altmeister geführt hat eine echte Empfehlung. Dort wird ebenfalls manches große Wort gelassen ausgesprochen — lesenswert!

Zu guter Letzt gibt es den finalen Song von (u.a.) & mit dem im weitesten Sinne jazzenden Engländer Jamie Cullum, der Gran Torino mit einer wunderbar melancholischen Note abschließt. Ich finde: Große Klasse. Wie der Film.







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